Verena Basler, M.Sc., ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin im Labor eHealth, das Mitglied des Regensburg Center of Biomedical Engineering (RCBE) der OTH Regensburg ist, hat auf dem diesjährigen Annual Meeting der Association for Research in Vision and Ophthalmology (ARVO) in Denver einen Posterbeitrag zu KI-gestützten Patientenberichten bei chronischen Augenerkrankungen vorgestellt. Der Beitrag mit dem Titel „AI-Tailored Patient Reports Enhance Comprehension in Chronic Eye Disease Management: A German Patient Study" entstand gemeinsam mit Georgios Raptis (OTH Regensburg) und Adam Dubis (University of Utah, USA).
Eine der weltweit größten Konferenzen der Augenforschung
Das ARVO Annual Meeting zählt mit rund 12.000 Teilnehmenden zu den größten internationalen Konferenzen im Bereich Vision Research und Ophthalmologie. Die diesjährige Ausgabe stand unter dem Motto „Achieving Precision Ophthalmology Through Innovative Vision Research" und brachte Forschende, Klinikerinnen und Kliniker sowie Industrievertreter im Colorado Convention Center in Denver zusammen.
Hintergrund: Verständliche Befundberichte als Schlüssel zur Therapietreue
Der Erfolg langfristiger Behandlungen chronischer Augenerkrankungen — etwa der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) — hängt wesentlich von der Therapietreue der Patientinnen und Patienten ab. Klinische Befundberichte sind jedoch häufig komplex formuliert und für Betroffene schwer zugänglich. Die vorgestellte Studie untersucht, ob mithilfe Künstlicher Intelligenz erstellte, individuell zugeschnittene Patientenberichte das Verständnis und die Auseinandersetzung mit den eigenen Behandlungsdaten verbessern können.
Methodisches Vorgehen
Die Arbeitsgruppe verfolgte einen iterativen Design-Science-Ansatz. Auf Basis eines Scoping Reviews wurden Designanforderungen abgeleitet; die Berichte wurden anschließend automatisiert aus klinischen Behandlungsdaten generiert — technisch umgesetzt mit Python, Large Language Models und der Bibliothek FPDF2. Die Evaluation erfolgte über zwei Online-Umfragen mit insgesamt 147 Teilnehmenden, verteilt über das AMD-Netz (n = 108) und Pro Retina (n = 40). 91,8 Prozent der Befragten waren über 50 Jahre alt, 47,6 Prozent über 75. Die Lesbarkeit der Berichte wurde nach Amstad und Flesch-Kincaid bewertet.
Ergebnisse
Die generierten Berichte wurden im Mittel als klar und hilfreich wahrgenommen (3,33 von 4 Punkten). 97,7 Prozent der Befragten gaben an, einen solchen Bericht künftig nutzen zu wollen — 51,2 Prozent uneingeschränkt, 46,5 Prozent nach ärztlicher Verifikation, 2,3 Prozent zeigten sich unsicher. Beim Format bevorzugten 54,4 Prozent die dreiseitige Variante gegenüber einer Einzelseite (13,2 Prozent); 25 Prozent würden eine noch ausführlichere Fassung wählen. Mehrseitige Formate wurden insgesamt im Verhältnis 4:1 gegenüber Einzelseiten bevorzugt.
Erkenntnisse und Ausblick
Die Studie deutet darauf hin, dass Designelemente wie Farbblöcke, kurze Sätze und Diagramme das Verständnis stärker fördern als reine sprachliche Vereinfachung. Die Bereitschaft der Betroffenen, KI-gestützte Berichte in den eigenen Behandlungsalltag einzubeziehen, ist hoch — vor allem in Kombination mit ärztlicher Prüfung. Im nächsten Schritt ist eine Pilotstudie geplant, in der die Integration der KI-generierten Berichte in reale augenärztliche Praxisabläufe untersucht werden soll.
Ein vollständiges Mock-Up des entwickelten Patientenberichts steht als PDF zum Downloadzur Verfügung.
Der Beitrag wurde unter der Posternummer 624-0361 präsentiert.


